Überleben in der Shoa

16.04.2019

Nach ihrer überzeugenden Mitwirkung an einer Lesung einer frankophonen Autorin im vorigen Sommer luden wir Frau Julia Cortis wieder zu einer Lesung an unser Gymnasium.

Am 25. März 2019 stellte Frau Cortis den Schülerinnen der neunten Klassen im Jagdsaal Dina Dor-Kastens Buch „Versteckt unter der Erde. Die Überlebensgeschichte der Familie Kasten“ vor. In diesem Werk wird die Geschichte dieser jüdischen Familie in der Zeit der Shoa (Holocaust) während der deutschen Besetzung der Ukraine erzählt.

Zuerst gab die Vortragende einen kurzen historischen Überblick, wobei sie sich auf einen Vortrag der Historikerin Ilse Macek vom Verein gegen Vergessen e.V. stützte.

In der eigentlichen Lesung wurden einige wichtige Textpassagen vorgelesen. Dabei wurde u.a. deutlich, wie unbarmherzig das Leben in dem von den Deutschen eingerichteten Ghetto Rohatyn (Westukraine) war. Die Familie floh aus dem Ghetto und grub sich in einem Wald ein Erdloch, in welchem die Kastens etwa zwei Jahre lebten und unter (heute) unvorstellbaren Bedingungen die Shoa überstanden, bis im August 1944 die Rote Armee das Gebiet eroberte und vom Nazi-Terror befreite. Die Familie Kasten brauchte Monate, um sich wieder an das Tageslicht und ein Leben ohne Todesangst zu gewöhnen. Nach einigen Umwegen über diverse DP (Displaced Persons) – Lager wanderte die Familie Ende der 40er Jahre nach Israel aus.

Frau Cortis, im „Hauptberuf“ Sprecherin in einigen Radioprogrammen des Bayerischen Rundfunks, trug gekonnt auch schwierige Passagen so vor, dass die Schülerinnen gebannt ihren Ausführungen folgten. Selbstverständlich beantwortete sie auch die Fragen der Mädchen präzise und verständlich. Zum Ende der Lesung appellierte Frau Cortis an die Schülerinnen, gegen gesellschaftliche Entwicklungen und ideologische Tendenzen, die Menschenverachtung, Rassismus und Antisemitismus vertreten, klar Stellung zu beziehen.

Wir bedanken uns herzlich bei Julia Cortis für eine hervorragend gute und engagierte Veranstaltung und hoffen, sie bald wieder bei uns begrüßen zu dürfen.

Unser herzlicher Dank geht selbstverständlich auch an Frau Snopkowski, die Herausgeberin des Buches und Ehrenvorsitzende der Gesellschaft zur Förderung der jüdischen Kultur und Tradition in München. Durch Frau Snopkowskis großzügige Unterstützung wurde diese Lesung möglich.

(Christian Martino)

 

 

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